ſchützen! Habe ich nun nicht Recht, die Welt zu haſſen, da ſie ſelbſt die edelſten Tugenden zu ver⸗ dächtigen vermag, und der Güte die berechnenden Gründe des Eigennutzes unterſchiebt? O Du herrliches, erhabenes Kind, wie würde man Dich lieben, Dich anbeten und ſegnen, wärſt Du meine Gemahlin. Und nun, weil es nicht in meine Macht gegeben, Deiner gekränkten Seele dieſe Genugthuung zu gewähren, nun, da die äußere Form nicht erfüllt werden kann, wagt man es, Dich zu kränken und zu beleidigen. O, wie klein, wie niedrig ſind doch dieſe Menſchen, wie ſehr verdienen ſie, daß wir ſie verachten!“
„Nein, nein, Lothar,“ ſagte Giſela, ſchon wieder gefaßt und ruhig,„nein, laß uns der Schwachheit und Kurzſichtigkeit der Menſchen ver⸗ zeihen, und uns ſtets ihrer Schwäche uns erbarmen! Wer wohlthun will, muß nur auf die Gabe, nicht auf den Empfangenden ſehen. Ach, vielleicht daß dieſe Härte des armen Weibes nichts iſt, als eine Hülle, unter der ſie ihre Beſchämung, Wohl⸗ thaten empfangen zu müſſen, verbirgt! Du darfſt ihr aber die Segnung Deiner Gnade nicht ent⸗ ziehen, und was Du verheißen, das muß erfüllt werden, ohne Rückſicht auf mich!“
„Du haſt Recht, Giſela, eine kleinliche Rache iſt Deiner unwürdig! Scheint es aber dieſem ſtolzen Weibe eine Strafe, Wohlthaten zu empfangen, wohlan, ſo laß ſie uns ſtrafen.


