Teil eines Werkes 
3. Theil, Zwei Lebenswege : 3. Band (1860)
Entstehung
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zu Julien, um ihr als eine gehörte Neuigkeit die wahrſcheinliche Begnadigung ihres Gatten zu er⸗ zählen. Aber dieſe ſo ſchnelle Aenderung ihres Schickſals, nachdem ſie der anſcheinend untergeord neten ihr Unglück vertraut, machte Julie argwöhniſch. Als Giſela ſie verlaſſen, eilte ſie ihr nach, verfolgte ſie ſie bis zu dem Thore des Schloſſes, und ſich erinnernd, daß man ihr von dieſen Verkleidungen der fürſtlichen Geliebten er⸗ zählt, kehrte ſie, Zorn und Groll im Herzen, in ihre Wohnung zurück.

Mehrere Tage vergingen, ohne daß Giſela kam. Sie wollte nicht mit leeren Händen kommen, ſie wollte die Gewißheit der Begnadigung ihr bringen; erſt als der Fürſt die über Bernhard verhängte Strafe theilweiſe aufgehoben, und die zwanzigjährige Haft zu einer Gefängnißſtrafe von zwei Jahren gemildert, das wenn auch unbeden⸗ tende Vermögen, den mit Beſchlag belegten reichen Hausſtand der jungen Gattin Bernhard's als Ge⸗ ſchenk überwieſen, erſt als dies vom Fürſten unter⸗ zeichnete Document in ihrer Hand war, eilte ſie zu Julien. In ihrer Freude, ihrem Entzücken dachte ſie gar nicht daran, daß dieſe nun die Verkleidung merken, ſie für eine Andere erkennen müſſe, als ſie zu ſein ſchien. Auch galt ihr dies gleich; ſie dachte nicht an ſich, ſie wol ue nur Glück bringen und Freude.

So mit ſtrahlenden Blicken, mit elaſtiſchem