Er hatte die ihm anvertrauten Kaſſen und Gelder geplündert, ſein Betrug ward entdeckt, und Bernhard als Verbrecher verhaftet. Julie ſchaute ihm nach mit dem ſtieren Blick des Ent⸗ ſetzens, und vieler qualvoller Tage und ruheloſer Nächte bedurfte es, ehe das arme getäuſchte Weib zu der Ueberzeugung gelangen konnte, daß ihr Gatte, ihr geliebter, angebeteter Bernhard nichts ſei, als ein Betrüger.
Aber der Fürſt hatte inzwiſchen die ſtrengſte Unterſuchung befohlen. Es war nicht das erſte Mal, daß ein ſolcher Fall vorkam, und ein ſtrenges Beiſpiel ſollte ſeine Beamten von einem ähnlichen Verbrechen zurückſchrecken.
Bernhard ward zu langjähriger Feſtungsſtrafe verurtheilt, ſein Vermögen, ſeine ſämmtliche Habe fiel dem Staate anheim, und als Bettlerin verließ Julie mit ihren beiden Kindern die Schwelle ihres einſt ſo glänzenden Hauſes. Ihr Stolz eben ſo ſehr als ihre Liebe war bis auf den Tod ver⸗ wundet, aber ſie unterdrückte den erſteren, um ſich nur in Liebe zu erinnern, daß ſie Mutter ſei.
Yhre letzte Habe hin gebend, fuhr ſie in die den Fürſten Lothar um Gnade anzu⸗ ehen.
Aber wir ſagten ſchon früher, daß ſein Ohr nur der Gerechtigkeit, nicht der Gnade zugänglich war, und Giſela war noch nicht an ſeiner Seite, um ſeine Härte mit ihrem Erbarmen zu beſchwören
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