Teil eines Werkes 
3. Theil, Zwei Lebenswege : 3. Band (1860)
Entstehung
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auch den Ahnen ſeiner Gattin Ehre machen, mit

ihrem Range prunken. Luxus und Glanz umgab

die ſchöne, ſtolze Julie, die nicht ahnte, daß ihr

eitler Gatte, dieſen Aufwand zu beſtreiten, weder

Vermögen, noch Gehalt genug beſitze.

Er hatte in ſeiner Eitelkeit ihren Ahnen den Glanz des Goldes entgegen ſetzen wollen, und ſich Reichthümer erlogen, die er nicht beſaß. Aber Julie glaubte ſeinem Wort, ſie gefiel ſich darin, dem reichen Hauſe ihres Gatten auf eine würdige, noble Weiſe vorzuſtehen, immer neue Verſchöne⸗ rungen und Luxusſachen anzuſchaffen, und Bernhard war ſtets zum Geben willig und bereit.

So waren einige Jahre vergangen, und Zulie drückte in glücklicher Mutterwonne ein holdes Zwillingspaar an ihre Bruſt, als eines Morgens ihr Gatte bleich und verſtört in ihr Gemach ſtürzte, und ſie anflehete, ſeine Gegenwart nicht zu ver⸗ rathen, ſondern zu ſagen, er ſei vor mehreren Stunden ſchon ausgegangen. Noch ſtand Julie bleich und erſtarrt, in tödtlichem Schreck auf den Schrank blickend, in welchem Bernhard ſich ver⸗ borgen, als die Thür aufgeriſſen ward, und die Diener des Gerichts eintraten, mit rauher Stimme nach ihrem Gatten fragend. Vergebens ſuchte Julie die ihr gebotene Lüge zu ſtammeln, man hörte nicht auf ſie, man glaubte ihr nicht, das Zimmer ward durchſucht, und der Gatte bleich und einer Ohn⸗ macht nahe aus ſeinem Verſteck hervor gezogen.