geheftet. Und zu dieſem düſtern Bilde die Kam⸗ mer wüſte und leer, kein Stuhl, kein Tiſch, kein Zeichen der Wohnlichkeit, des Lebens, außer der dunklen, oft hoch aufflackernden, vft faſt ver⸗ löſchenden Thranlampe, die dieſen Jammer be⸗ leuchtete!—„Waſſer! Waſſer!“ ächzten die Lip⸗ pen der Leidenden, und Giſela eilte hinauf zu der ihr bekannten armen Familie, von dieſer ſich ein Töpfchen mit Waſſer holend, das ſie mit ſorg⸗ ſamer Hand der armen Kranken an die brennenden Lippen hielt. Dieſe ſchlürfte es mit gierigem Be⸗ hagen, und dann die Augen aufſchlagend, flüſterte ſie matt:„o, mich hungert!“ Giſela reichte ihr von dem mitgebrachten Brode, und die Kinder, die lang erſehnte Nahrung riechend, hielten, lauter wimmernd, ihre zitternden, kleinen Händchen hin.
Giſela erkannte es wohl, der Hunger allein war die Krankheit, welche die Kräfte dieſer Armen erſchöpft, ſie dem Tode nahe gebracht hatte. Der Hunger, der nagende, verzehrende Hunger hatte die Wangen dieſer Mutter ausgehöhlt, die Jugend⸗ kraft dieſer Kinder gebrochen!
Sie weinte Thränen der Freude, daß es ihr vergönnt geweſen, dieſe Armen zu retten, und nie hatte der Fürſt Giſela's Antlitz in ſo heiterer, verklärender Freude ſtrahlen ſehen, als dieſen Abend, als ſie von ihrer Wanderung heimkehrte.
Von nun an ging ſie jeden Abend zu der
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armen Mutter mit den ſchönen, allgemach wieder
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