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und daß oft vie Mittheilung und die Klage ihm mehr Troſt gewährt, als die reiche Gabe. Anderer⸗ ſeits aber war es ihr wichtig, die harmloſen, un⸗ verſtellten und einfachen Wünſche und Klagen des Volkes in der ihm eigenen, unverſtellten Sprache der Wahrheit zu hören, um durch die treue Wie⸗ derholung derſelben den Fürſten zu Verbeſſerungen anzuregen, und ſein Herz dem Mitleid zu er⸗ ſchließen.
Seit einigen Tagen hatte ſich ihrer ſtets bereiten Wohlthätigkeit eine neue Quelle der Thätigkeit eröffnet. Als ſie ſich in ihrer Verkleidung zu irgend einer ihrer Armen begab, Hülfe und Freude zu bringen, und mit leichtem, ſchwebendem Tritt die hohen Stiegen hinan eilte, meinte ſie hinter einer der Thüren, an welchen ihr Weg ſie vorüber führte, lautes, ängſtliches Stöhnen und Klagen zu vernehmen.
Sie ſtand ſtill und lauſchte, und dann, als ſie ſich überzeugte, daß ſie ſich nicht getäuſcht, öffnete ſie leiſe die nur angelehnte Thür, und trat in eine kleine, finſtere Kammer.
O welch ein herzerſchütternder Anblick war es, der ſich hier ihren Blicken darbot! Ein junges Weib lag da auf elendem nacktem Strohlager, ächzend und ſtöhnend in glühender Fieberangſt, ihr zur Seite ängſtlich wimmernd zwei kleine abgezehrte Kindergeſtalten, den matten, hinſterbenden Blick flehend auf das Antlitz ihrer bewußtloſen Mutter


