Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Es giebt eiſerne Naturen, fuhr er fort, welche die Jugend und das Glück mit einem vor⸗ übergehenden Glanze vergoldet, aber denen die Reibung der Welt nur das Metall läßt, aus dem ſie geſchaffen. Aber es giebt auch goldene Na⸗ turen, und unter dem Frottiren des Unglücks und der Welt erglänzen dieſe in ewigem, unver⸗ änderlichen Glanze der Reinheit und Schönheit. Sie gehören zu den Letztern, ich zu den Er⸗ ſtern! Laſſen Sie uns dieſe beiden Metalle ver⸗ einen, geben Sie meiner eiſernen Natur von dem Goldglanz Ihrer weichen Seele, laſſen Sie das weiche Gold Ihres Weſens ſich verhärten an der Eiſenkraft des meinen. Und ſo in dieſer Verſchmel⸗ zung laſſen Sie uns handeln und wirken für das Wohl und Glück Derer, die das Schickſal zu meinen Unterthanen gemacht hat! Die Welt nennt unſere Namen in innigſter Gemeinſchaft; und ſtiege Gott ſelber hernieder, Ihre Unſchuld zu beſtäti⸗ gen, die Menſchen würden ihm nicht glauben! Wohlan denn, verſuchen wir nicht, dieſe beweiſen zu wollen, oder den Schein zu vermeiden. Blei⸗ ben Sie bei mir, Giſela! Ich liebe Sie wie meine Tochter, meine Schweſter, wohlan, nehmen Sie mich an zu Ihrem Bruder, ſeien wir Geſchwi⸗ ſter und Freunde, und erwarten wir, ob die Zeit die Aſche unſeres Herzens wieder zu entzünden vermag, und ob die Flamme, die wir erſtorben

glauben, wieder in urelementlicher Kraft hervor⸗

Zwei Lebenswege. II. 1