Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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ſchlagen zu wollen. Verachten Sie das Urtheil der Menſchen und hören Sie nicht auf dieſe ſchreien⸗ den, Sie verhöhnenden Stimmen! Seien Sie groß, und erheben Sie ſich über der Schande zu einer Höhe, in der Sie von ihr nicht mehr berührt werden! Hätten Sie weniger Seelenſtärke, weni⸗ ger Kraft, ſo würde ich Ihnen rathen, in ein Kloſter zu gehen. So aber ſind Sie berufen, zu wirken und zu handeln, den Staub von Ihren Füßen zu ſchütteln, der Beſchwerlichkeiten des We⸗ ges nicht zu achten, und weiter zu gehen. Erhe⸗ ben Sie Ihr Haupt, Giſela, Sie können es, denn Sie ſind rein. Schreiten Sie mit ſicherm Fuß hinweg über den Schmutz der Verleumdung, und achten Sie ſeiner nicht, ſo wird kein Atom deſſel⸗ ben an Ihren Füßen haften!

Und wohin, wohin ſoll ich gehen? rief Giſela ſchmerzvoll,haben Sie ſelber nicht mir geſagt, daß in der Welt das Glück nirgends zu finden iſt?

In der Welt nicht, Giſela, aber im Leben! Das Glück iſt da, aber nicht im Geräuſch der Welt, nicht inmitten der Menſchen müſſen Sie es finden wollen! Suchen Sie aber unter der Aſche Ihres Herzens nach dem ewig glühenden Funken der Hoffnung auf Glück! Ach, das Glück iſt eine Frucht, die von tauſend Schalen des Unglücks umgeben und umhüllt iſt, ein geheimnißvoller Kern, von dem erſt alle dieſe ſtachlichten Schalen