Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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dieſe Villa zu bewohnen, ſeit dieſem Moment hatten Sie gebrochen mit der Welt. Denn dieſe ver⸗ zeiht es nicht, wenn das Weib die Feſſeln zerreißt, mit denen es gebunden iſt, und es wagt, zur Freiheit der Exiſtenz ſich zu erheben. lind als Sie dies wagten, Giſela, als Sie die Ketten der Convenienz und der weiblichen Sclaverei zerriſſen, um die Freiheit eines menſchlichen, Gott gleichen Weſens für ſich in Anſpruch zu nehmen, als Sie dies wagten, Giſela, da neigte ich mich vor Ihnen in Anbetung, aber ich wußte, daß Sie verloren waren! Ich ſah umher, und ſah, daß Sie nir⸗ gend einen Freund, eine Stütze hatten, und da gelobte ich mir, dieſer Freund zu ſein, deſſen Sie bedurften!

Edler Mann! rief Giſela mit Thränen in den Augen, ihm die Hand hinreichend.

Schlagen Sie dies nicht höher an, als es verdient, Giſela, denn nicht das Erbarmen allein war es, das mich zu dieſem Gelübde bewog, und

indem ich mich zu Ihrem Beſchützer aufwarf,

ſtellte ich mich ſelber unter Ihren Schutz. In⸗ mitten der Welt, die ich verachte und haſſe, in⸗ mitten der elenden, heuchelnden Menſchheit er⸗ ſchienen Sie mir wie die köſtliche, mährchenhafte Blüthe einer lang von mir bezweifelten Welt. Ihre holden Züge trugen das Gepräge einer Un⸗ ſchuld und Reinheit, an die ich längſt nicht mehr geglanbt, und indem ich vor Ihrem Antlitz als