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ſela ſchwermuthsvoll,„wahr, daß hienieden die Lüge allein ſiegt und die Falſchheit!“ „Es iſt ſo, Giſela!“ „Und man verdammt mich, man ſchmäht mich, weil ich den Muth hatte, wahr zu ſein,“ fuhr 5 ſie in edlem Zorne fort.„Ich habe der Welt ein ganzes Herz voll Vertrauen und Liebe entge⸗ gen getragen, und ſie verſchmäht meine Liebe, ſie macht mein Vertrauen zu einer Waffe gegen mich; ich habe an die Menſchheit geglaubt, und ſie ſtößt mich zurück, mich ſchmähend und mit Schande überhäufend. Dies iſt entſetzlich! Und Sie,“ fuhr ſie fort, ſich mit flammenden Augen zum Fürſten wendend,„Sie wußten dies, und warnten mich nicht?“ „Ich warnte Sie, Giſela, aber Sie hörten nicht!“ „Sie wußten, daß man Ihre Beſuche bei mir verdächtigte,“ rief ſie zornig,„und dennoch kamen Sie Tag um Tag, und ſtempelten dieſe elenden Vermuthungen meiner Schande durch Ihr. Kommen mit dem Stempel der Wahrſcheinlichkeit?“ „Ich wußte es,“ ſagte Fürſt Lothar ruhig, „und dennoch kam ich, Giſela. Verloren waren Sie dennoch, und, armes Kind, war es nicht beſſer in dem Schiffbruch Ihres Glückes Ihnen 5 den einzigen Freund zu bewahren, ſtatt Sie allein untergehen zu laſſen? Seit Sie die Kühnheit ge⸗ habt, Ihre Schweſter zu verlaſſen, und allein


