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ſiegt zu werden, und ſo muß das Schlechte mäch⸗ tiger ſein, als das Gute, denn es hat tauſend Waffen, mit denen es kämpfen kann. Die Verleum⸗ dung, die Falſchheit, die Heuchelei, die Frechheit und die Lüge, das ſind die Trabanten des Schlech⸗ ten. Was aber hat das Gute dieſem entgegen zu ſetzen? Nichts, als ſich ſelbſt und die Wahrheit! Und Sie wollen, daß es mit dieſen ſchwachen Kräften ſiegen ſoll über den mächtigen Feind? Sie wollen, Sie glauben das, Giſela? Armes Weib, folge dieſem Wahn nicht länger, oder er wird ein Schwert ſein, an dem Du verbluteſt!“
„O mein Gott,“ ſeufzte Giſela,„wie traurig iſt aber dann die Welt!“
„Sie iſt auch traurig, Giſela, und dem Edlen bleibt nichts, als über ſie zu weinen, und in der ſtillen Zelle ſeines Herzens das entſagende Daſein eines Einſiedlers zu führen, abgewandt der Menſch⸗ heit. Dieſe fürchtend, dieſe fliehend, wie der hei⸗ lige Antonius vor den Lockungen der Dämonen! Oh beſſer, beſſer, ſich dieſen Lockungen gegenüber ſelber zu geißeln, als zerfleiſcht zu werden von ihnen, beſſer unter dem härenen Gewande der Entſagung zu entbehren, als inmitten des Ge⸗ nuſſes enttäuſcht zn werden. Sie weinen, Unglück⸗ liche? Erheben Sie Ihr Haupt, junges Mädchen, nein, keine Thränen mehr für die Erbärmlichkeit dieſer Welt. Verachten Sie, verwünſchen und haſſen
Sie dieſe Welt, aber beweinen Sie ſie nicht. Es


