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den ſpaniſchen Edelmann, der zwanzigmal die Ge⸗ fahren eines Duells ertrug, und der geladenen Piſtole ſeiner Gegner gegenüber die größere Er⸗ habenheit der Werke des Cervantes gegen die des Calderon behauptete, und der, als er endlich beim zwanzigſten Duell von Kugeln durchbohrt zuſam⸗ men brach, geſtand, daß er weder den Calderon, noch den Cervantes geleſen!“
„Wir lachen über dieſe Geſchichte, aber ſie enthält eine traurige, unheilsvolle Wahrheit, und ſo wie jener ſpaniſche Edelmann urtheilen noch jetzt Tauſende und aber Tauſende, ohne das zu kennen, was ſie verdammen, nur mit dem Unter⸗ ſchied, daß ſie ihr Ligen Blut nicht dafür hinge⸗ ben, ſondern das Blut Derer vergießen, die ſie verdammen!“
„Und giebt es,“ rief Giſela angſtvoll,„giebt es denn hienieden keine Gerechtigkeit?“
„Gerechtigkeit? Blicken Sie umher? Wo wol⸗ len Sie dieſe finden unter der Menſchheit? Selbſt in der Geſchichte iſt keine Gerechtigkeit. Wie manchen Thyrannen hat ſie mit dem Lorbeer des Ruhms gekrönt, wie manchen Edlen in der Ver⸗ geſſenheit begraben. Die Welt urtheilt nur nach dem Schein, und Sie wollen noch bauen auf Ge⸗ rechtigkeit? Oh, armes, edles Kind, ſchauen Sie doch umher, und ſehen Sie, wie die Welt iſt, und nicht, wie ſie ſein ſollte. Das Schlechte muß kämpfen gegen das Edle, um nicht von dieſem be⸗


