Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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tige Hand ſich wie ſchützend und ſegnend auf Gi⸗ ſela's Haupt legte.

Es war ein ernſter, gewaltiger Moment, ein tiefes, feierliches Schweigen.

Wer ſich rührt, der iſt des Todes! rief dann der Fürſt.Soldaten, herein! Major Wen⸗ drich, alle Anweſenden ſind Ihre Gefangenen!

Und während der Major mit ſeinen Soldaten vorrückte, trug der Fürſt Giſela, die matt und kraftlos in ſeinen Armen hing, in das anſtoßende Gemach. Hier legte er ſie leiſe auf den Di⸗ van nieder.

Oh, flüſterte ſie leiſe,Sie haben mir das Leben erhalten, aber ich danke es Ihnen nicht!

Nun ſank ſie zuſammen in tiefe Ohnmacht. Der Fürſt ſchaute lange in ihr bleiches, ſchönes Angeſicht.Armes, unglückliches Weib, flüſterte er leiſe,es ſoll Dir alſo keine Pein und keine Schmach erſpart werden! Dein Herz ſchlug auf's neue der Welt entgegen, und auf's neue verſtößt ſie Dich, Du trugſt auf's neue Hoffnung und Liebe der Menſchheit entgegen, und wieder lohnt ſie Dir mit Haß und Verachtung. Wirſt Du nun endlich lernen der Welt zu fluchen und die Men⸗ ſchen zu haſſen? Wird ſich Dein Herz dem Miß⸗ trauen erſchließen, Deine Seele dem Haſſe ſich öffnen? Wehe, wehe Dir, wenn es nicht ſo iſt, wenn Dein Mund keine Flüche, Dein Herz keine

Verwünſchungen und keine Rache lernt! O Du 8