Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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armes, geſteinigtes Kind, laß mich über Dich weinen, denn Dein Jammer iſt grenzenlos!

Und er neigte ſich über die Ohnmächtige, und Thräne nach Thräne fiel hernieder auf ihr bleiches Antlitz.

Die alte Hedwig, die, vom Fürſten nicht be⸗ achtet, ihm gefolgt war, ſtand mit gefaltenen Hän⸗ den da, in heiliger Andacht vor den Worten des Fürſten. Als ihr mühſam unterdrücktes Schluch⸗ zen dem Fürſten ihre Anweſenheit verrieth, ſchaute er auf, und ſofort war jede Rührung aus ſeinem Angeſicht verſchwunden, ſeine Züge hatten ihre hohe, ſtolze Ruhe wieder erlangt, und mit feſter Stirne befahl er:mein Wagen ſoll vorfahren! Das Fräulein kann in dieſem verwüſteten Hauſe nicht verweilen! Ich nehme ſie mit zur Stadt! Ihr folgt uns, Hedwig!

Dieſe ſtürzte hinaus des Fürſten Befehle zu

vollziehen.

Noch immer beſinnungslos, flüſterte der Fürſt, ſich wieder über Giſeka neigend.Das iſt gut, ſie entgeht dadurch dem Kampf mit ihrem Zartgefühl. Holdes, ſüßes Kind, von dieſer Stunde an wird mein Auge über Dir wachen und Dich behüten. Du ſollſt in mir den Freund und Vater finden, der Dich beſchützt!

Er küßte leiſe ihren bleichen Mund, und trug ſie dann auf ſeinen Armen hinunter zum Wagen.