Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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Giſela mit dem Stolz einer Königin, und ſchritt durch das Gemach der Thür zu. Doch in dieſem Augenblick ward die Thür aufgeriſſen, und wilde männliche Geſtalten zeigten ſich in derſelben.

Sie drangen mit lautem, rohen Geſchrei in das Gemach, als aber Giſela ihnen ſo ſtolz und ruhig entgegen trat, verſtummten ſie, und traten unwillkürlich einen Schritt zurück.

Was ſucht Ihr hier? fragte Giſela mit lauter Stimme.

Indeß war die angenblickliche Beſtürzung ſchon überwunden, und mit wildem Lachen rief der erſte der Eingedrungenen:Dich ſuchen wir, ſchönes Püppchen! Ja, Dich, rief ein Anderer,die ſchändliche Geliebte Fürſten!

Inzwiſchen war die ganze Rotte in den Saal eingedrungen, mehr denn hundert Menſchen füll⸗ ten das Gemach, und nur ein kleiner Raum noch trennte Giſela von ihren wilden, fluchenden Geg nern.

Immer weiter rückwärts gedrängt ſtand ſie jetzt an die Wand gelehnt, rings umgeben von

dem wilden Haufen roher, trunkener Menſchen.

Mein Gott, rief Giſela, angſtvoll und mit ſchwindendem Muthe,was habe ich Euch denn gethan, daß Ihr mich beſchimpfen wollt?

Sie frägt noch, was ſie gethan hat, ſeht doch, wie unſchuldig ſie iſt! So eine ſchändliche Ehebrecherin! treiſcht