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ein taumelndes, trunkenes Weib,„ſie thut, als wüßte ſie gar nicht, daß es eine Sünde iſt, die Maitreſſe unſeres Fürſten zu ſein! Aber wir wol⸗ len ſie's lehren!“
„Ja, das wollen wir! Sie ſoll es wiſſen, daß es ſchändlich iſt, unſere Fürſtin anzuklagen und ihr den Fürſten abwendig zu machen!“
„Sie iſt eine Buhlerin, nichts weiter! Graf Salm hat es uns eben noch geſagt, als er uns erzählte, dies Püppchen ſei dran Schuld, daß man die Fürſtin gefangen genommen hat. Unſere gute Fürſtin, die immer an die Armen dachte!“
„Ja, es iſt ſchändlich! Sie hat's beim Für⸗ ſten durchgeſetzt, daß er ſeine Gemahlin verſtoßen und verbannt hat!“
„Das iſt ſchändlich!“
„Niederträchtig!“
„Leute, Männer, hört mich!“ rief Giſela mit mächtiger Stimme.„Beim allmächtigen Gott ſchwöre ich Euch, ich bin unſchuldig! Ich wußte nichts von dem Unglück der Fürſtin! Bei Gott, ich bin unſchuldig!“ ½
„Ja, ja, ſo reden die ſchmucken Weiber im⸗ mer, wenn ſie beſtraft werden ſollen,“ ſchrie einer der Kerle mit rohem Lachen.
„Sie ſtellen ſich immer ſo unſchuldig an,“ kreiſchte ein Weib mit flatterndem Haar.
„Aber wir laſſen uns nicht betrügen, ſie iſt ſchuldig, Graf Salm hat es uns geſagt, als er
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Zwei Lebenswege. IMI.


