Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſpräch ſtattfand, und in welcher alle hoffähigen Familien von W. bei der Oberhofmeiſterin von Zarcho verſammelt waren.

Wie wäre das möglich?

Nun, ganz einfach. Das Teſtament beſtimmt, daß die Baronin Judith auf ihrem Landſitz niemals irgend Jemand außer ihren nächſten Verwandten eine Nacht beherbergen darf. Thut ſie dies, und der Baron Walther kann ſie deſſelben überführen, ſo fällt ihr ganzes Vermögen an ihn zurück. Wie leicht wäre es nun, durch irgend eine Intrigue zu machen, daß ſie, ohne es zu wiſſen, einen Gaſt beherbergte, der dann wider ſie zeugte, und dem Baron Walther die Mittel, ſie zu verderben, in die Hand gebe!

Das iſt wahr, ſagte der Baron von Bender ſinnend und mit hoher Bewunderung gedenkend, welcher Gefahr ſich Judith einſt aus Liebe zu ihm ausgeſetzt.

Ja, die Baronin Judith iſt die Krone aller Frauen, rief der Kammerherr von Kranz, der ſeit Wochen vergeblich um Judith ſchmachtete.

Q wie ganz anders, wie erhaben ſteht ſie ihrer Schweſter Giſela gegenüber, rief ein An⸗ derer, deſſen zudringlicher Höflichkeit Giſela einſt mit bitterm Spott begegnet war.

Oh, dieſe Giſela, riefen Alle,welchen Kummer bereitet ſie ihrer Schweſter!

Kennt Ihr die neueſte Geſchichte von ihr?