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in das Lob, das man ſeiner Schönheit, ſeiner Anmuth, ſeinem würdigen Benehmen darbrachte. Sie allein ſchwieg, wenn man ſeine Grazie beim Tanz, die Schönheit und Fülle ſeines Geſanges lobte, und natürlich konnte es nicht fehlen, daß dieſe auffallende Kälte bald das Geſpräch und die Neuigkeit des ganzen Hofes, der ganzen Stadt werden mußte.
Aber dies brachte ihr doppelten Gewinn, denn es reizte den Baron, und erhöhete den Ruf ihrer Tugend und die Achtung, die man vor ihrer keu⸗ ſchen, ſtolzen Ruhe hegte.
„Wie feſt und ſicher muß ſie daſtehen,“ ſagten ihre Freundinnen,„wenn ſie es ſelbſt verſchmäht, dem Baron Walther die mindeſte Freundlichkeit zu bezeigen. Wie ſtolz und hehr muß eine Tugend ſich fühlen, die jede Gunſt verſchmäht, und ſelbſt dem gefährlichſten Feinde nicht ſchmeichelt.“
„Welch ein nobler Stolz iſt dies,“ ſagten Andere,„ſich nicht einmal um das Wohlwollen Deſſen zu bemühen, der ihre ganze Zukunft gewiſſer⸗ maßen in ſeiner Hand hält, und ſie leicht zu einer Bettlerin machen könnte. Denn wie leicht könnte er, gereizt von ihrer verachtungsvollen Kälte, gegen ſie intriguiren. Wie leicht den Betrug zu Hülfe rufen, ihr ganzes Vermögen ſich zu eigen zu machen.“
„Wie wäre das möglich?“ fragten wieder Andere aus der Geſellſchaft, in welcher dies Ge⸗


