Aber wie konnte ſie es erreichen, ſo lange das Teſtament ihres Gemahls ſie an das Elend dieſer kleinen Stadt feſſelte, ſie abhängig machte, die Freiheit ihres Willens lähmte, und alle ihre Wünſche in Banden hielt.
Wie konnte ſie es anders erreichen, als indem ſie den Baron Walther, den ihr Gemahl zu ihrem Widerſacher auserkoren, in deſſen Händen ihr ganzes Vermögen, ihre ganze Zukunft log, als indem ſie dieſen für ſich zu gewinnen, aus einem Feind in einen ergebenen Freund ihn zu verwandeln ſuchte?
Dies war es, was ſie zu dem Entſchluß bewog, aus dem Baron Walther ihren Gemahl zu machen, und doppelt haßte ſie nun Giſelg, welche dieſem Ziele unwiſſend in den Weg getreten war.
Aber i Hinderniſſe waren nicht im Stande, Judith zu erſchrecken, und um ſie aus dem Wege zu räumen, ſch ſie kein Mittel.
Sie hatte Baron Walther lange ſchon durch⸗ ſchaut. Mit dem Scharfblick ihrer eigenen Coquetterie ſie die Coquetterie Walther's längſt verſtanden; ſein Schweigen imponirte ihr nicht, ſein Lächeln, ſeine vielſagenden Mienen bezauberten und täuſchten ſie nicht. Mit ihrem kalten, ruhigen Blick hatte ſie in die Tiefe ſeines Weſens geſchaut, und darin alle die Eitelkeit und Selbſtvergötterung, die hohle Aufgeblaſenheit und künſtliche Würde des Barons erkannt. Unter allen andern Umſtänden würde ſie gefrohlockt haben, Giſela einem ſolchen eitlen,


