Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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ſie Dich ewig halten und feſſeln. Ewig! Mein

Gott, wie ſchauderte ich ſonſt vor dieſem Wort!

Mit welcher troſtloſen Leerheit und Kälte blickte

es mich an! Zetzt erſt habe ich es verſtanden!

Die Ewigkeit iſt Liebe, und die Liebe iſt Ewigkeit. Engel ſteigen auf und nieder und weben zwiſchen Himmel und Erde eine Brücke, daß beide verbun⸗ den ſind zu Eins, und man in der Unendlichkeit des Himmels die Endlichkeit der Erde nicht mehr erkennen und unterſcheiden kann; dies unbegrenzte Verbundenſein zwiſchen Himmel und Erde, das iſt die Ewigkeit, und ſeitdem ich dies weiß, giebt es für mich keinen Tod mehr! Wer liebt, der kann niemals ſterben, denn er ſchwebt inmitten der Ewigkeit, und das Aufhören des Lebens iſt nur, wie wenn die Nachtigall ihren Geſang verſtummen läßt und ſich aufſchwingt aus dem niedern Ge⸗ ſtrüpp zu höhern, lichtern Sphären. Ach, ich fühle in mir das Flügelſchlagen, das Singen und Jauchzen dieſer unſterblichen Nachtigall, und hier wie dort wird ſie nichts ſingen als Hymnen an Dich, Du meines Lebens köſtlichſtes Gut! Meine Zukunft, mein Engel!

Sprich nicht ſo, Giſela, Du machſt, daß ich mich meiner ſchäme. Du biſt ein Engel, mein Engel biſt Du! Ich aber, mein Gott, was kann ich Dir ſein!

Mein Alles biſt Du, meine Seele, mein

Geiſt, mein Verſtand und mein Leben! Wenn