Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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Mit ſtrahlenden Augen, mit ſüßem entzückenden Lächeln ruht Giſela heut auf der Raſenbank in dem Halbdunkel dieſer Laube neben dem Geliebten. Köſtliche Stille und ſüßer Friede umgiebt ſie; nur zuweilen ſchlüpft ein Vogel durch das dichte Ge⸗ zweige, ſieht lauſchend und zwitſchernd hinein in die Laube, und fliegt dann weiter, als fürchte er, das köſtliche Zwiegeſpräch der Bebenden zu ſtören; zuweilen auch zittern die Blätter im leiſen Rauſchen des ſeufzenden Windes, gleichſam als theile die Natur die füße Beklommenheit, die Giſela ſeufzen macht in Glück und Schmerz. Fernab von ihnen verklingt das Geränſch der Welt, und keine Erin⸗ nerung an dieſe ſtört den Frieden in Giſela's Bruſt.

Aber ſie fühlte ſich wie erdrückt von der Ge⸗ walt ihrer Empfindungen, Thränen füllten ihre Augen, ihr Buſen hob und ſenkte ſich in ſtürmi⸗ ſchem Wallen, und leiſe von ihrem Sitz zu Wal⸗ ther's Füßen nieder gleitend, ſagte ſie:O mein Gott, wird das Glück einer ſolchen Stunde mich nicht tödten?

Walther erwiederte nichts, aber ſein ſchönes Antlitz ſchien zu ſtrahlen von innerer Begeiſterung, und, die großen glänzenden Augen aufwärts ge⸗ richtet, ſpielten ſeine Hände mechaniſch in den dunkeln Locken ihres Haares.

Oh, ich verſtehe es wohl, dies beredte Schweigen Deiner Lippen, flüſterte Giſela, ent⸗