Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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und eine Wunderwelt des Glückes ſah ſie vor ſich aufgetaucht, eine Welt, in der Alles nur jauchzte und ſang von Liebe.

Oh, das war nicht mehr dieſelbe Natur, die ſie umgab, das waren nicht mehr dieſelben Räume, in denen ſie lebte!

Alles hatte einen andern Glanz, einen andern Strahlenſchein, Alles funkelte und leuchtete in unberührter Pracht des erſten Schöpfungstages.

Die Bäume rauſchten und flüſterten Geſänge der Liebe, die Bäche murmelten, die Vögel ſangen von Liebe und Luſt, Liebe war es, welche die Blumen dufteten, die Winde ſeufzten, Liebe, welche die Sterne leuchten ließ!

O mein Gott, und welche geheimnißvollen und köſtlichen Zuflüſterungen machte ihr der Mond, wenn ſie, die ganze Welt um ſich her vergeſſend, in der Stille der Nacht am Fenſter lehnte, oder im Garten langſam auf und ab wandelnd hinauf blickte zu ihm, dem ſtillen und verſchwiegenen Freunde aller Liebenden!

Und welch ein Glanz, ein Himmelsſchein war es, der mit geheimnißvollem Weben das Gemach durch⸗ leuchtete, wenn Er an ihrer Seite war, der an den Stellen haftete, wo Er geſtanden, an den

Gegenſtänden, die Er berührt und durch ſeine

Gegenwart geheiligt hatte! Welche bittere und qualvolle bange Stunden

auf dieſen kurzen Feentraum des Glückes folgten,