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deriſchen Großmuth eines edlen, hochherzigen Weibes mit allem Großen und Köſtlichen, was ſie ſelber beſaß, ihn ausſchmückte. Sie lieh ihm von der Fülle und Glut ihres Gemüthes, ſie bekleidete ihn mit der Kraft und Größe ihres eigenen We⸗ ſens, und war dann entzückt über die Harmonie und Uebereinſtimmung ihrer beiden Naturen.
In der vollen Glut und Hingabe ihres eigenen Gemüthes merkte ſie nicht, daß Sie die ſtets Ge⸗ bende, Er der ſtets Empfangende war, und mit Entzücken nahm ſie das entgegen, was er ihr doch nur zurück erſtattete als ihr Eigenthum. Nackt und kalt, arm und gefühllos hatte ſein Herz vor ihr geſtanden; ſie hüllte es mit begeiſterten Liebes⸗ geſängen in die Purpurgewänder und die goldenen Feenſchleier ihres eigenen Herzens, und ſtaunte dann über die nie geahnte Pracht, den unendlichen Reichthum dieſes zweiten Herzens, ohne zu wiſſen, daß nur ſie es war, die dieſen Reichthum und dieſe Pracht gegeben. Wie köſtlich, wie erhaben entfaltete ſich in ihr dies Gefühl der Liebe, welchen mährchenhaften, berauſchenden Duft ſtrömte dieſe plötzlich entfaltete Lotosblume ihres Buſens aus, und doch, wie viele Schmerzen und Qualen waren für ſie auf dem tiefen Grunde des Kelches dieſer Blume verborgen.
Noch aber wußte Giſela nichts von Schmerzen und Quslen, nichts von Thränen und Leid. Ihr Leben glich noch einem einzigen hellen Sonnentag,
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