Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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lange ſchon war ſie bereit, ſich ihm zu weihen als Prieſterin und Sclavin; was Wunder, daß nun ihr Herz ihm entgegen flog, daß ſie mit einem

zu ſeinen Füßen niedergefallen war.

unendlichen Entzücken ihn willkommen hieß, dieſen unbekannten Gott, daß ſie mit ſtaunender Andacht den Schleier von ſeinem Antlitz hinweg genommen 6 ſah, und die Schönheit und Glut deſſelben mit ſüßem Schauer des Entzückens gewahrte.

Nicht allgemach war dieſe Liebe in ihr ent⸗ 3 ſtanden, ſie war nicht wie eine Blume Tag für Tag in ihr gewachſen bis zum endlichen Entfalten der Blüthe; nein, wie ein Blitz war ſie in ihr Herz gefahren, zündend hatte ſie dort eine Glut 5 angefacht, die Giſela ſelbſt ein himmliſches Wunder däuchte. Und dieſe Liebe haftete nicht an dem Ein⸗ zelnen, ſie ward nicht genährt durch das Anblicken dieſes ſchönen Angeſichtes, durch das Lauſchen auf den melodiſchen Klang ſeiner Stimme, durch ſeine Worte, ſeine Handlungen, ſie umrankte in unbe⸗ wußtem Selbſtvergeſſen nur ſich ſelber, und Giſela liebte, weil die Liebe in ihr endlich ſo mächtig geworden, daß ihre aufbrauſenden Fluthen mit Gewalt ſich eine Bahn, einen Ausweg ſuchen mußten, ſie liebte den Baron Walther, weil ihr Herz reif war zur Liebe, und weil die volle Frucht dieſer Liebe durch ein unheilvolles Ungefähr grade

Sie liebte ihn, weil ihr ganzes Weſen bereit war zur Liebe, und weil ſie mit jener verſ