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und das, was er dann nach ſo langem Schwei⸗ gen ſprach, wichtig und bedeutend erſcheinen zu laſſen, eben durch das lange vorhergehende Schwei⸗ gen. Er wußte klug und geſchickt die Mängel ſeiner
— wiſſenſchaftlichen Bildung unter dieſem Schweigen
zu verhüllen, und wenn bei irgend einer gelehr⸗ ten Streitfrage Jeder ſich in eifrigen Reden er⸗ goß, und er allein ſtumm und lächelnd da ſaß, ſo konnte er ſicher ſein, daß Aller Augen ſich fragend und forſchend nach ihm hin wandten, neu⸗ gierig, endlich auch ſein Urtheil zu vernehmen, und das Reſultat dieſes langen überlegenen Schwei⸗ gens zu hören. Und wenn im Kreiſe der Damen jede Lippe ſich ergoß im Lobe der ſchönen Sän⸗ gerin, die eben ihren Geſang beendet, und Wal⸗ ther allein ſchwieg, ſo wußte er wohl, daß die Schöne nun nach nichts ſo ſehr dürſtete, als ge⸗ rade von ſeinen Lippen ein Lob zu vernehmen. Eine ſtolze Ruhe, eine noble Zurückgezogenheit umgab ſtets ſeine Erſcheinung, und ſchreckte die Vertraulichkeit zurück, indem ſie ſie zugleich wün⸗ ſchenswerth erſcheinen ließ. Von Walther ange⸗ redet, von ihm zum Tanze aufgefordert zu wer⸗ den, erſchien als ein Vorzug, den zu erlangen man ſich anſtrengte, und welcher Triumph glich dieſem, wenn plötzlich dieſer ruhige, ſtolze Blick ſich zu beleben begann, wenn dieſe hoch aufge⸗ richtete Geſtalt ſich anmuthig vorwärts neigte, wenn es ſchien, als habe die Bewunderung des


