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ihm eine anbetende Prieſterin ſein würde, und weil ihn nach Anbetung verlangte, ſehnte er ſich nun nach der Welt. Durch die Gnade des Für⸗ ſten in ſeinem achtzehnten Jahre mündig erklärt, unternahm der junge Baron ſeinen erſten Welt⸗ gang, beſchloß er zu reiſen.
Wäre er arm und unſcheinbar inmitten der Welt erſchienen, ſo würde dieſe ihn ſchnell ent⸗ täuſcht, ihm grauſam und ſchonungslos das Nich⸗ tige ſeiner Selbſtliebe, die Unbedeutendheit ſeiner Perſon, das Lächerliche ſeiner Anſprüche gelehrt haben; aber dieſer junge Baron trat in die Welt mit allem Glanz und Schimmer des Reichthums, in glänzender Equipage, umgeben von reich galo⸗ nirten Dienern, er kam mit allem Stolz eines in⸗ cognito reiſenden Prinzen, man verzieh ihm um ſeines Reichthums und ſeines Glanzes willen den Stolz und Uebermuth, mit dem er auftrat. Seine gleichgültige Kälte erregte die Eitelkeit der Damen, ſein ruhiges, impoſantes Schweigen die Neugierde der Herren. Des Barons weltkluge Mutter hatte ihrem Sohn die große Kunſt, zu rechter Zeit zu ſchweigen, als nützlichſte Lebensregel anempfoh⸗
len, und Baron Walther erfuhr bald, wie Recht
ſie gehabt, wie weiſe dieſer Rath. Dieſe ſtolze ſchweigende Ruhe, die gewöhnlich über ſeine edlen, ſchönen Züge ausgebreitet war, verfehlte niemals ihre Wirkung, denn Walther erlernte ſchnell die ſchwere Kunſt, ſein Schweigen impoſant zu machen


