ſchönen Zügen der Liebe und des Heroismus, denen ſie hier oft in niederer Hütte bei Armuth und Elend begegnet, oder ſie ſang ihm zur Harfe ſeine Lieblingslieder, ſeine innern Schmerzen be⸗ ſchwichtigend mit ihrem aus der Tiefe der Seele ertönenden Geſang.
Aber der Fürſt Lothar war der Einzige, der von W. her ſie zu beſuchen kam; Fürſtin Clo⸗ tilde hatte in moraliſcher Entrüſtung den Bann⸗ ſtrahl gegen das geſchmähete junge Mädchen ge⸗ worfen, und Niemand wagte einem Zorn zu trotzen, der durch Judith's Schmerz und Trauer um die verlorene Schweſter eine ſo gerechte Begründung fand. Giſela vermißte und entbehrte Niemand, und als ſie ihrem väterlichen Freunde von ihrer Lebensweiſe ſchrieb, ſagte ſie:
„Ich trinke in langen Zügen die goldene Freiheit dieſes durch nichts beſchränkten und be⸗ grenzten Lebens, und in dieſem Genuß könnte mich der Anblick der Menſchen, der feinen, ge⸗ bildeten Menſchen nur ſtören. Ich mag auch gar nichts zu thun haben mit der Civiliſation und der Cultur, und niemals iſt mir wohler, als wenn der Sturm an meine Fenſter ſchlägt, und die Bäume im Park wie leichte Blüthenſtiele knickt. Vor ſolcher freien ungebändigten Kraft empfinde ich eine tiefe Anbetung, und das Eichkätzchen, das munter von Zweig zu Zweig hüpft, ſcheint mir beneidenswerther, als eine Fürſtin in ihrem Palaſte.


