Aber die Armen in dem nahen Dörfchen und in der Umgegend, die Kinder und die Alten, die kannten dieſe ſchöne Erſcheinung wohl, und wenn ſie ſo raſch ſie vorüber reiten ſahen, da ſchauten ſie mit ſtillen Segnungen und glücklichem Lächeln ihr nach und fragten ſich: zu welchem Kranken, zu welchem Armen und Nothleidenden mag unſer ſchönes Fräulein jetzt wohl eilen, um Hülfe und was mehr iſt, um Troſt zu bringen?
Giſela wußte zu geben in dem rechten Geiſte der Liebe, ſie wußte Troſt zu bringen, nicht mit frommen Worten, mit todten Gebeten, ſondern mit dem lebendigen Wort hülfreichen Herzens, und oft genügte der ſanfte, ſchmelzende Ton ihrer Stimme, das holde Lächeln ihrer friſchen Lippen, das ernſte Aufmerken bei jeder Klage, oft genügte die Thräne, die ſie dem Unglück zollte, um Thrä⸗ nen zu trocknen und Hoffnungen in den Unglück⸗ lichen zu wecken. Mit zartfühlendem Takt wußte ſie für jedes Leid den rechten Troſt zu treffen, und wo ſie nicht zu helfen und zu lindern ver⸗ mochte, da konnte ſie doch mit weinen und Mit⸗ leid geben.
Bald war ſie rings in der Umgegend bekannt als„das ſchöne Fräulein,“, der Schutzgeiſt der Un⸗ glücklichen,“ und wo es Unglück gab, wo es galt zu helfen und zu tröſten, da eilte man zu Giſela, ihr es anzuzeigen, ſie zur Hülfe herbei zu rufen. Aber Giſela's regſamer Geiſt verlangte nach größerer


