ſtörte, nichts, was das Lächeln dieſer friſchen Lippen zerdrückte.
Und von nun an begannen für Giſela köſtliche Tage ungeſtörten Genuſſes. Nicht mehr in Ban⸗ den gehalten von Judith's ängſtlicher Sorge, ent⸗ faltete ſich frei und kühn ihr regſamer Geiſt, hob ihre Seele die Fittige zu mächtigem Flügelſchlag und trug ſie zu den Höhen der Begeiſterung, oder ſenkte ſie in die Abgründe der Verzweiflung. Denn die Luſt iſt ſo nahe dem Schmerze verwandt, und wenn Giſela, lauſchend den geheimnißvollen Di⸗ thyramben, in welchen ſich ihr inneres Entzücken ergoß, in Thränen ausbrach, ſo wußte ſie nicht zu ſagen, ob ſie weine vor Glück oder vor Weh. Dieſen innern Zerwürfniſſen zu entfliehen, eilte ſie dann hinaus in den Wald, oder auf die Wieſe, wo ſie ganze Tage verweilte, um Blumen und Pflanzen zu ſammeln zu ernſten botaniſchen Stu⸗ dien, oder ſie beſtieg ihr Pferd, ihren treuen Henno, und ließ in brauſendem Ritt die innere Gewalt ihr ſelber unklarer Gefühle austoben. Und wenn ſie ſo dahin flog, die Luft durchſchneidend, mit blitzenden Augen, mit tief gerötheten Wangen, ihr weißes Gewand flatternd im Winde, dann blieben die Wanderer, welche die Straße daher zogen, verwundert ſtehen, der verſchwindenden Er⸗ ſcheinung nachſehend und nicht wiſſend, ob dieſe nur ein Luftgebilde ihrer Phantaſie, oder ob ſie Wirklichkeit?


