Sie wollte allein ſein, ganz allein, um ſich ihrem Jubel, ihrer innern Luſt ungeſtört hingeben zu können. Sie ſtieß das Fenſter auf, und athmete in langen Zügen die köſtliche, kühlende Abendluft, die in ihren dunklen Locken ſpielte und ihre roſigen Wangen fächelte..
Mit unendlichem Wohlbehagen empfand ſie die Stille und den Frieden glückſeliger, ungeſtörter Freiheit, und ſich weit hinaus lehnend in die laue Nacht, ſchaute ſie mit entzückten Blicken auf die liebliche, ſtille Mondſcheinlandſchaft, die ſich zu ihren Füßen ausbreitete.
Der Garten, in welchem ihre Villa lag, prangte im erſten friſchen Frühlingsgrün, der Duft der Anemonen und Veilchen zog zu ihr em⸗ por; in dem klaren Waſſer des Teiches, auf dem ſie ganz deutlich die ziehenden Schwäne erkennen konnte, lagerte ſich der Mond in einem langen glänzenden Goldſtreif, und durch die hohen zit⸗ ternden Bäume regte ſich der Wind in leiſem Koſen und Flüſtern, dann und wann übertönt von dem lieblichen Geſang der Lerche, oder dem köſtlichen Summen der Cicaden. Und inmitten dieſes Friedens war Giſela allein, frei und glück⸗ ſelig! Tauſend Stimmen flüſterten und jauchzten in ihr von kommendem Glück, von zu erwarten⸗ der Freude, und nichts war da, was dieſe herr⸗ lichen, geheimen Zuflüſterungen ihrer Jugendluſt


