Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 1. Band (1860)
Entstehung
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Sie werden aller Orten nur hämiſchen, ſchaden⸗ frohen Geſichtern, nur ſpöttiſchem Lachen, nur neugierigem, mitleidsloſem Anblicken begegnen! Sie ſind tugendhaft, und doch wagt man es Ihre Tugend zu verdächtigen, Sie ſind unſchuldig, und doch ſchuldig befunden, Sie haben nach dem Guten geſtrebt, und doch nur das Schlechte, Unedle, Gemeine zu ſich heran gezogen!

Warten Sie, warten Sie auf das Ende, der Kampf iſt erſt im Beginnen, und indem ich zu unterliegen ſcheine, kann ich noch ſiegen! Noch bin ich unverwundet und meine Füße wenden ſich noch nicht zur Flucht!

Und gerade dieſen muthigen Trotz wird Ihnen die Welt nimmer verzeihen! Aber noch, Giſela, noch können Sie ſie verſöhnen. Verachten Sie die Welt, aber zeigen Sie es ihr nicht, hüllen Sie Ihren Stolz in den Mantel der Demuth, Ihre Ueberlegenheit in den Schein der Unter⸗ werfung. Geben Sie ſich den Anſchein der Flucht, ſo wird man Ihnen Ihren Muth verzeihen, und unter dem Anſchein des Unterliegens werden Sie ſiegen! Beargwöhnen Sie Alles, aber geben Sie ſich den Schein der Argloſigkeit; folgen Sie in allen Ihren Handlungen nur Zhrer eigenen Ueber⸗ zeugung, aber hören Sie jeden Rath der ſich weiſe dünkenden Freunde, und ſcheinen Sie dieſem Folge leiſten zu wollen. Nein, ſagte Giſela feſt,ſolch einem Glück