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Mädchen, das ihm wie eine im Sturm ſchwan⸗ kende Lilie erſchien.
„Habe ich nicht Recht gehabt, Giſela,“ ſagte er mit milder, tief bewegter Stimme,„nicht Recht, Sie zu warnen vor der Welt? Aber Sie glichen dem Kinde, das lachend mit dem Feuer ſpielt, bis es ſich ſeine jungen, wallenden Locken daran verſengt. Giſela, Sie ſpielten mit einem Feuer, das in Einer Stunde die Jugendblüthe Ihres ganzen Daſeins verſengen und Ihr glänzendes Haar in einen weißen Aſchenhaufen verwandeln konnte! Dies war nicht Muth, es war Toll⸗ kühnheit! Habe ich alſo nicht Recht gehabt, Sie zu warnen?“
„Nein, nein,“ rief Giſela ſtürmiſch und mit überſtrömenden Angen,„nein, Sie hatten dennoch nicht Recht, Sie dürfen nicht Recht haben! Die Lüge, die Verſtellung kann nicht des Glückes Schöpferin und Hüterin ſein, nein, nein, die Wahrheit wird dennoch immer hienieden den Sieg davon tragen!“
„Blicken Sie um ſich, junges Mädchen, und ſehen Sie, daß es nicht ſo iſt! Warum nicht den Muth haben, die Augen zu öffnen, wenn Sie doch den Muth haben, der Welt zu trotzen? Warum mit geſchloſſenen Angen den Schreckniſſen begegnen, denen Sie doch ſo muthvoll Ihre junge entblößte Bruſt dargeboten?— Schauen Sie auf, kühnes, trotziges Kind, blicken Sie umher, und


