Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 1. Band (1860)
Entstehung
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wagen Sie es nicht mich zu ſchmähen, Ihre Schmähung fällt auf Ihr eigenes Haupt zurück! Aber nein, nein, fuhr ſie dann nach einer Pauſe fort,Sie ſind eine fromme Dame, ein Muſter der Tugend, Niemand wird es wagen Sie zu ſchmähen! Was thut es, daß Sie Ihr Herz dem Erbarmen verſchließen, in Ihrer Seele nicht Raum haben zur Großmuth und Liebe, Sie ſind doch eine fromme Dame, ein Muſter der Tugend! Was thut es, daß Ihnen die Menſchenliebe fehlt, wenn es Ihnen nur nicht an der ſogenannten chriſtlichen Liebe gebricht; was thut es, daß Sie eine Seele von ſich ſtoßen, wenn Sie nur dem Bettler Ihre Thüre öffnen!

Es iſt genug, rief die Gräfin,verlaſſen Sie mich! In dieſem Augenblick begannen draußen die Glocken zur Meſſe zu läuten. Giſela ſagte: Ja wohl iſt es genug, und ich werde Sie verlaſſen, damit Sie zum Gottesdienſte eile können! Hören Sie, die Glocken rufen ſchon zum Gebet. Leben Sie wohl, Gräfin, und beten Sie. Ich verlange aber nicht, daß Sie mich einſchließen in Ihr Gebet, 5 Sie werden es auch nicht, denn ich weiß es wohl, daß die fromme Gräfin Benno von heute an meine unver⸗

ſöhnliche Feindin iſt!

Stolzen Schrittes verließ ſie das Gemach, und ſich ihres harrenden We zu be⸗