Sie haben keine Gottesfurcht, ſondern nur Men⸗ ſchenfurcht! Sie können Ihre Arme nicht dem Unglück öffnen, Sie können nur Ihre Hände öffnen, um zu geben, was ſich geben läßt, Sie haben nichts als Geld!“
„Sie wagen es, ſo zu mir zu ſprechen?“ rief die fromme Gräfin zornglühend.„Wer giebt Ihnen ein Recht dazu?“.
„Mein Unglück und meine Unſchuld,“ ſagte Giſela ſtolz.„Sie haben es gewagt an meiner Unſchuld zu zweifeln, Sie haben nicht den Muth, an dieſe Unſchuld zu glauben, und indem Sie ſchonungslos mich der Sünde zeihen, fordern Sie von mir Schonung? Gehen Sie, Gräfin, ich habe Sie hochgeachtet, deshalb kam ich zu Ihnen.
Ich hielt Sie erhaben über die Kleinlichkeit der Menge, deshalb wollte ich Sie ehren durch mein Vertrauen, durch mein Flehen und meine Bitte. Denn wo das Unglück bittet um Beiſtand und Schutz, da erniedrigt es nicht ſich, da erhebt und ehrt es nur Den, zu dem es bittet und den es der Gewährung fähig hält.“
„Ich bin Ihnen Dank ſchuldig für dieſe Ehre,“ ſagte die Gräfin mit ſpöttiſchem Lachen.„Aber da mein Haus keine Beſſerungsanſtalt iſt, ſo kann ich Sie nicht aufnehmen!“
„Gräfin!“ rief Giſela mit drohendem Ton,
der Dame einen Schritt näher tretend und ſie mit ſtolzen, glühenden Blicken betrachtend.„Gräfin,


