— dem meinen für Sie die Liebe einer Tochter finden kann!“— „Oh, ich will Sie lieben mit aller Kraft meiner Seele,“ ſagte Giſela demüthig,„ich habe ja Niemand weiter hier, den ich lieben könnte.“* „Und Ihre Schweſter, die edle, tugendhafte Baronin Judith?“ fragte die Gräfin ſtreng. „Wir ſind getrennt auf immer!“ ſagte Giſela traurig.„Fragen Sie mich nicht, Gräfin, was uns trennte! So Vieles giebt es auf Erden, das begraben werden muß unter den Schatten unſerer Seele,— auch dieſer Schmerz muß ſchwei gend in mir verbluten. Darum aber komme ich zu Ihnen, darum aber breite ich ſehnend nach Ihnen meine Arme aus! Ich bin allein auf der Welt, Niemand, der die Waiſe liebt, nirgends eine Heimath,— geben Sie mir eine Mutter, geben Sie mir eine Heimath, Gräfin! Eine Waiſe, die Tochter Ihrer Freundin iſt es, die zu Ihnen fleht! Schützen Sie mich vor den Verleumdungen der Welt. Wer wird es noch wagen mich zu ſchmähen, wenn Sie mich Ihre Tochter nennen, wenn Sie mir geſtatten, an Ihrer Seite* zu gehen?“ „Aber wenn man es wagte? Wenn—“ „Niemand wird es,“ unterbrach ſie Giſela. „Und wenn es wäre, ſo weiß ich doch, daß Sie, die edle, fromme Frau, die Welt nicht fürchten, wo es gilt, eine gute That zu thun!“
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