Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 1. Band (1860)
Entstehung
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beſitzen, um dem Urtheil der Welt, dem Zorn einer tugendhaften Fürſtin ungeachtet, dies arme verirrte Kind großmüthig bei ſich aufzunehmen. Sie können wagen, was ich nicht darf, Ihr Ruf iſt unerſchütterlich, und nichts kann Ihnen die Gunſt unſerer edlen Fürſtin rauben. Zu Ihnen flehe ich daher, erbarmen Sie ſich!

Dieſer Brief wird und muß wirken, ſagte Zudith, das Billet zuſammen faltend.Ich kenne die Gräfin Benno gut genug, um zu wiſſen, daß ſie es weder wagt dem Zorn der Fürſtin zu trotzen, noch daß ſie den Muth hat, ein Mädchen bei ſich aufzunehmen, das ich verſtoße. Ein ähnliches Bjllet, an die Oberhofmeiſterin Zarcho gerichtet, wird dieſe Sache bald publik machen, und der Fürſtin als willkommene Neuigkeit dienen.

Nachdem die Baronin auch dies geſchrieben, ſagte ſie mit blitzenden Augen:Dies für Deinen Stolz, Giſela, oh, wir werden ihn wohl zu demüthigen wiſſen!

Dann beſtieg ſie ihre Equipage, befahl einen Wagen für Giſela bereit zu halten, und eilte nach der Reſidenz, wo ihr Kammerdiener die beiden Briefe ſogleich den Damen einhändigen mußte.

Nach wenigen Stunden, Dank den Bemü⸗ hungen von Judith's Freundinnen, war die Nach⸗ richt von dem Zerwürfniß der beiden Schweſtern

in der ganzen Stadt bekannt, und als die leid⸗

tragenden, neugierigen Freundinnen zur Baronin