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„Die Gräfin Benno iſt eine fromme, tugend⸗ hafte Dame, ſie war die Freundin unſerer theuren Mutter; an ſie werde ich mich wenden.“
„Sie wird Dich nicht aufnehmen!“
„Nun wohl, ſo werde ich allein wohnen in der vom Oheim mir kürzlich vererbten Villa.“
„Wie, Du wollteſt es wag Sitte, aller Tugend Hohn zu junges ſiebenzehnjähriges Mädchen, wollteſt ſo ſehr allen Anſtand mit Füßen treten, um—“
„Ich bitte Dich, Schweſter,“ unterbrach ſie Giſela,„laß dieſe Reden von Tugend und Sitte, ſie klingen mir in Deinem Munde wie Hohn. Ich ſage Dir, ich werde den Muth haben, meinen Plan auszuführen.“
„Wohl, ſo thue es denn,“ ſagte Judith hef⸗ tig.„Greife nur mit kindiſchem Uebermuth in die Speichen der Räder Deiner Zukunft, Deine Hände werden daran zerſchellen, und mit Deinem Blute wirſt Du büßen müſſen für ſolche Frevelthat.“
„Beſſer in ehrlichem Kampfe fallen, als ſiegen durch Tücke und Liſt!“
„Die Welt iſt kein Kampfplatz, auf dem mit ehrlichen Waffen geſiegt werden kann, nur mit vergifteten Schwertern wird da der Kampf ge⸗ führt um das Glück, und nur wer betrügt, der ſiegt.“
„Dann begrüße ich Dich als Siegerin,“ ſagte Giſela mit ruhiger Kälte.


