ſela ruhig,„leichter und bequemer, dem Urtheil und der Ueberzeugung Anderer zu folgen, als ſelbſt zu wählen, ſelbſt zu handeln, aber das Be⸗ quemere iſt nicht immer das Beſſere. Ach, und wie viel Verſtellung, wie viel Falſchheit, wie viel Unwahrheiten bedarf es, dieſem Schreckniß zu ge⸗ nügen, das Ihr das Urtheil der Welt nennt. Wie oft müßt Ihr lächeln, wo Ihr zürnen, finſter blicken, wo Ihr lächeln möchtet! Wie oft müßt Ihr einen Schleier über Euer Herz legen, weil es wider den Anſtand iſt, zu zeigen, daß ein Herz in Eurem Buſen klopft, wie oft Eure Seele ver⸗ hüllen unter einem nichtsſagenden Lächeln, und Worte, ſchöne, klingende, geſchmeidige Worte über Eure Gedanken ausbreiten, daß Niemand dieſe erräth! O mein Gott, wie viel Kutkſt bedarf es, um in dieſer Eurer Welt eine Heilige und Unan⸗ gefochtene zu ſein! Ich aber, Judith, ich kann dieſe Kunſt nicht erlernen! Ein Kind der Natur, wie ich es bin, kann ich Eure Formen und Kunſt⸗ ſtückchen nicht begreifen und keinen Schleier über mein Angeſicht ziehen, daß es aufhöre der Spie⸗
gel meiner Seele zu ſein! Frei müßt Ihr mich
laſſen, denn in Euren Feſſeln des ſogenannten Anſtands zerbricht mein Weſen, wie die Lerche ſtirbt, wenn ſie gefangen iſt. Frei muß ich ſein können und wahr, auf meinen Zügen ſollt Ihr
die Gedanken meines Innern leſen können, und
ich will nimmer trachten, ſie Euch zu verbergen,


