dieſer Eurer großen Welt nicht ſehen, denn die Gewohnheit hat Euren Blick abgeſtumpft, und Euch gilt für ſchön und groß, was mir klein und unbedeutend erſcheint. Vielleicht habe ich Unrecht, vielleicht Ihr! Jeder aber muß ſeiner Ueberzeu⸗ gung folgen, Ihr der Euren, ich der meinen.“
„Das ſollſt Du aber nicht,“ rief Iudith heftig,„das iſt eben was ich von Dir fordere, daß Du Deinen Willen unterordneſt, und Dich dem Hergebrachten und von der Sitte Geheilig⸗ ten unterwirfſt, daß du dieſen Geſetzen der Welt Dich fügſt und ihrem Willen Dich bengſt!“
„Nimmer!“ rief Giſela mit erglühenden Wan⸗ gen,„ich ſage Dir, Schweſter, nimmer wird dies geſchehen! Ich kann mich nicht beugen vor dem, was ich verachte!“
„Mein Gott, und was achteſt Du denn, wenn Du die Welt verachteſt?“ fragte Judith ſpöttiſch.
„Mich ſelber, Schweſter,“ erwiederte Giſela ernſt,„und nur was mir ſelber Recht erſcheint, das thue ich, und nur dieſen Stimmen, die in meiner Bruſt rathend oder abrathend zu mir ſprechen, nur dieſen werde ich folgen!“
„Und biſt Du ſo gewiß, daß dieſe Stimmen immer Dir das Rechte zeigen?“ fragte ihre Schweſter heftig,„hältſt Du Deine eigene Ueber⸗ zeugung für ſo unfehlbar, daß Du gewiß biſt das Rechte zu wählen?“
„Gewiß iſt es leichter, Schweſter,“ ſagte Gi⸗


