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folgt, und ließ ſich langſam und erſchöpft auf einen Seſſel gleiten, während ihre Schweſter haſtig auf und ab ging.
„O, dieſe Weltverachtung wird Dein Verder⸗ ben ſein, Giſela,“ ſagte ſie heftig,„denn die Welt verzeiht es nimmer, wenn man ſie gering⸗ ſchätzt, und wer ihr Gewicht für leicht hält, dem legt ſie ſich ſchwer auf den Nacken, daß er ohn⸗ mächtig zuſammen bricht unter dieſer Laſt. Die Meinung der Welt, das iſt der Atlas, der unſer ganzes Daſein auf ſeinen Schultern trägt, und uns erhebt oder fallen läßt.“
„Und dieſer Rieſe Atlas iſt nicht klüger, als ſein älterer Bruder,“ ſagte Giſela lächelnd,„beide laſſen ſich mit Schmeichelworten überliſten.“
„Meinſt Du!“ fragte Judith leicht erröthend, und ihre Schweſter mit prüfenden Blicken betrach⸗ tend, als wolle ſie auf ihrem Antlitz ihre innerſten Gedanken leſen.„Und woher, Giſela, kommt Dir dieſe ſeltene Weisheit,“ fuhr ſie dann ſpöttiſch fort,„Dir, die kaum erſt ein Jahr in dieſer Welt lebt?“
„Vielleicht iſt es gerade deßhalb,“ ſagte Gi⸗ ſela lebhaft,„vielleicht iſt es, weil ich, fern von der Welt, in der Stille und Einſamkeit aufge⸗ wachſen bin, daß ich mit unbefangenem, unver⸗ blendetem Auge dieſe Welt betrachte und ihrer Mängel mir bewußt bin! Ihr, die Ihr immer mitten darin geſtanden, Ihr könnt die Mängel ½
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