ſich öffnete, und eine hohe, weibliche Geſtalt in derſelben erſchien.
„Biſt Du endlich da, Giſela,“ ſagte ſie in heftigem, unfreundlichem Ton.„Gefällt es Dir endlich wieder zu kommen, nachdem Du drei Tage und Nächte nicht heimgekehrt?“
„Emma iſt todt,“ ſagte Giſela ernſt,„deß⸗ halb kann ich wieder kommen! Auch fürchte ich nicht, daß Du mich vermißt haſt, Schweſter!“
„Alſo Emma iſt todt,“ erwiederte die Dame ärgerlich,„und dies allein iſt die Urſache, daß Du endlich das thuſt, was Anſtand und Schick⸗ lichkeit längſt von Dir forderten, und in das Haus Deiner Schweſter zurückkehrſt; lebte Emma noch, ſo würdeſt Du vielleicht noch andere drei Nächte bei ihr bleiben!“
„Gewiß,“ ſagte Giſela ruhig,„gewiß würde ich das thun, Judith, denn nicht allein mein Herz, ſondern auch meine Pflicht hätte dies ge⸗ wollt!“
„Deine erſte und einzige Pflicht iſt, Dich den Geſetzen des Anſtandes ſtreng zu fügen,“ erwiederte ihre Schweſter Judith ernſt,„und nicht auf ſo abenteuerliche Weiſe die Welt gegen Dich
heraus zu fordern.“
„O, die Welt!“ ſagte Giſela verächtlich,„ich fürchte die Welt nicht, und werde mich nimmer ihren tyranniſchen Anforderungen beugen!“
Sie war ihrer Schweſter in den Salon ge⸗
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