eine Spalte zur Seite der Fenſtervorhänge die Sonne jetzt einen hellen Schein durch das Ge⸗ mach zog, der wie ein Lichtſtreifen über das Lager Emma's ſich legte und ihr armes gebeugtes Haupt grell beleuchtete.
Wie ſchauerlich war dieſe, nur von dem Kni⸗ ſtern der Lampe unterbrochene Stille, dieſe lange Pauſe des Schweigens. Dann aber hörte man zu gleicher Zeit ein doppeltes Geräuſch. Es war das Kind, das mit dem Haar ſeiner ſterbenden Mutter ſpielte, und munterer geworden, jetzt laut auflachte und kreiſchte mit ſeiner lallenden, kind⸗ lichen Zunge; dazwiſchen vernahm man das lau⸗ tere Aechzen, das letzte Todesröcheln aus der Bruſt ſeiner Mutter, und unter dem Zauchzen ihres Kindes war die Mutter geſtorben.
Giſela ſtand lange an ihrem Lager; ſie dachte an dies junge, früh gebrochene Leben, ſie dachte an all die köſtlichen Stunden, die ſie mit dieſer ihrer theuerſten Freundin verlebt, ſie dachte auch an all die Qualen, die Emma erduldet, an all die Thrä⸗ nen, die ſie geweint, ſie dachte an die Vergangen⸗ heit, die ſie mit ihrer Freundin durchlebt, und an die Zukunft, in welcher ſie einſam ſein würde, und ſie ſagte zu ſich ſelber:„wird auch mir das Leben nichts geben, als den Tod? Werde auch ich Blüthe nach Blüthe meines Daſeins verwelken und meine Hoffnungen und Wünſche zerſchellt ſehen an dieſen Klippen und Abgründen der Welt?“


