Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

mit einem glücklichen Lächeln, und lag lange ſtumm und unbeweglich da.

Sie ſchien es nicht zu hören, daß die Thür des Nebenzimmers ſich leiſe öffnete, und ein jun⸗ ger Mann vorſichtig ſchleichend zu ihrem Lager trat.

Sein Antlitz war bleich und ſeine Züge kämpf⸗ ten und arbeiteten in großer Bewegung, als er auf das junge ſterbende Weib blickte, und ſich erinnerte, daß er ſie einſt ſo ſehr geliebt und daß nicht der Tod, ſondern das Leben ſie getrennt. Biſela blickte forſchend und prüfend in ſein bewegtes Angeſicht, dann ſagte ſie leiſe:jetzt, nur jetzt laſſen Sie Ihr Herz milde ſein, und gedenken Sie der Zeiten, wo Sie Emma liebten. Zetzt darf nichts in Ihrem Herzen ſein als Verzeihung und Milde!

So iſt es auch, erwiederte er, und Emma ſchlug die Augen auf, und ſagte ruhig:lebe wohl, Conrad! Du haſt mir verziehen, ich danke Dir! Liebe meine Tochter, und ſei ihr ein Vater, denn ich ſage Dir, ſie iſt Dein Kind!

Nun ſank ſie zurück und ächzte laut.

Dann trat eine tiefe Stille ein, Giſela und Conrad ſtanden an dem Sterbebett und lauſchten mit angehaltenem Athem auf die immer leiſeren

Seufzer der Sterbenden; die im Verlöſchen be⸗

griffene Lampe leuchtete zuweilen höher auf, und warf dann lange dunkle Schatten, während durch