243
Aber nein, ſie war noch nicht todt, ſie regte ſich noch! Man rief die Aerzte, man ſandte Eilboten nach Gatſchina an den Großfürſten, man rief die kaiſerliche Familie, man rief auch Platon Zoubow herbei.
Sie kamen Alle, ſie umſtanden mit ſtummen Entſeen dieſe röchelnde, bewegungsloſe Geſtalt, die da auf der Erde lag, und die man nicht anzurühren, nicht aufzuheben wagte, aus Furcht, ſie durch die Berührung zu tödten. Platon Zoubow weinte, der Großfürſt Paul ſchaute finſter aber gelaſſen drein, und gab ſeine Befehle, und ordnete Alles an zu der großen Ceremonie ſeiner Thronbeſteigung, und zur Leichenfeier ſeiner Mutter.
Aber ſie lebte noch, ſie hörte vielleicht ſogar ſeine Worte! Der Schlagfluß hatte ihr die Zunge und die Glieder gelähmt, aber vielleicht waren ihre Sinne wach, vielleicht hörte ſie, die Lebende, die Befehle, welche ihr Sohn mit ſo ruhiger Sicherheit für ihre Leiche gab!
Stunde auf Stunde verging, und die Kaiſerin lebte noch! Die Nacht war vergangen, und der folgende Tag, und Katharina lebte immer noch, lag noch immer auf dem Fußboden da, unbeweglich, ſtarr, eine athmende Leiche.
Aber auf einmal jetzt kam wieder Leben und Bewegung in ihre Glieder. Sie zuckte mit der Hand, ſie öffnete ihre Augen.
Platon ſtieß einen Schrei des Entzückens aus. Viel⸗
ich waren die Bemühungen der Aerzte nicht vergeblich 16*


