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Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
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Sie ſprang von ihrem Sitz empor, ſie wollte Hülfe rufen, aber ihre Lippen verſagten ihr den Dienſt, der Schmerz krampfte ſie zuſammen, ſie wollte die Klingel erfaſſen, und ſchellen, aber ihre Hand hob ſich nicht, ſie hing ſchwer an ihrer Seite nieder, ſie wollte, nein, ſie wollte nichts mehr!

Zwei Stunden ſpäter trat Arkarow mit triumphi⸗ rendem Antlitz in das Kabinet der Kaiſerin. Vorſichtig und leiſe ſchlug er die Portière zurück, denn man hatte ihm geſagt, daß die Kaiſerin ſchliefe, und daß nur Er ſie wecken dürfe, vorſichtig that er einige Schritte vorwärts, dann aber ſtieß er einen Schrei des Entſetzens aus, tau⸗ melte zurück, ſprang dann nach der Thür hin, riß ſie auf und ſchrie um Hülfe.

Nun ward es lebendig in dem vorher ſo ſtillen Ge⸗ mach der Kaiſerin, nun öffneten ſich alle Thüren, und die Damen und Cavaliere ſtürzten herein.

Da, in der Mitte des Gemaches, da, dieſe langhin⸗ geſtreckte, röchelnde, zuckende Geſtalt, die da auf dem Fuß⸗ boden liegt, mit leichenfahlem Angeſicht, mit gebrochenen Augen, das iſt die⸗Kaiſerin, das iſt die große Katharina! Ein zuckender Wurm, den das Schickſal unter ſeine Füße getreten, eine ausgebrannte Lampe, deſſen Licht der Tod mit einem Hauch ſeines Mundes ausgeblaſen! Geſtern noch eine allmächtige Kaiſerin, heute eine arme, machtloſe Sterbende!