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Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
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geweſen, vielleicht hatten dieſe ſtarken Eſſenzen, mit denen ſie ihre Stirn, ihre Füße gerieben, die Kaiſerin gerettet.

Ja, ſie lebte, ſie blickte umher, erſt auf Zoubow, dann auf den Großfürſten Paul. Nun durchzuckte es wie ein Blitz ihre Geſtalt, nun flammte ein Strahl des Lichts in ihren Augen auf, nun öffnete ſie die Lippen, als wolle ſie ſprechen, aber kein Wort kam hervor, ihre Zunge war gelähmt! Endlich tönte ein gellender, furchtbarer Schrei von ihren Lippen, die Augen, welche ſtarr und un⸗ verwandt auf den Großfürſten, ihren Sohn, gerichtet ge⸗ weſen, verloren dieſen letzten Blitz des Zorns, mit dem ſie ſich entflammt hatten, die Geſtalt dehnte und ſtreckte ſich, dann war Alles vorüber!

Katharina war todt, und Paul war Kaiſer von Rußland!

S Katharina II. ſtarb am 9. November 1796. Mit ihrem Tode erloſch das Glück des Fürſten Platon Zoubow. Der Kaiſer Paul et ihn ſeiner Aemter, und ließ ihm eine mehrjährige Reiſe in das Ausland anrathen. Platon Zoubow begab ſich alſo nach Deutſch⸗ und machte in Karlsbad durch ſeinen verſchwenderiſchen Aufwand und ſein übermüthiges Benehmen viel Aufſehen. In zudringlichſter Weiſe machte er einer der ſchönen Töchter des Herzogs von Kurland den Hof, und erklärte laut, daß er ſie heirathen werde. Der Herzog von Kurland beſchwerte ſich darüber in Petersburg, und Platon Zou⸗ bow erhielt vom Kaiſer den Befehl nach Rußland zurück zu kehren, und ſich ein für alls Mal auf ſeine Güter zurück zu ziehen. Dort t Platon Zoubow 1820. Endr. Leipzig, Druck von Gieſecke& Deyrient.