238
leicht errathen ihn Eure Majeſtät. Ich entdeckte die Druckerei, in welcher man in der vergangenen Nacht dieſes Blatt druckte. Ich ließ das Haus in aller Stille umſtellen, ließ dann leiſe und geräuſchlos öffnen, ſchlich mit meinen Leuten zu dem mir bezeichneten Arbeitsſaal und trat, bevor noch irgend Jemand unſere Anweſenheit vermuthete, in den Saal ein. Man war noch in voller Arbeit, der Setzer ſtand noch vor dem Setzkaſten und ſetzte, das Manuſeript lag vor ihm. Mit einem Sprung war ich neben ihm, er⸗ faßte das Mannuſeript dieſes famöſen zweiten fliegenden Blattes, und habe jetzt die Ehre es Eurer Majeſtät zu bringen.“
Die Kaiſerin nahm es mit einer lebhaften Hand⸗ bewegung, und betrachtete die Schrift mit glühenden Blicken. Dann auf einmal ſchoß ein Ausdruck ſo wilden, dämoniſchen Triumphes über ihr Antlitz hin, daß ſelbſt Arkarow erbebte.
„Ah,“ rief ſie mit lautem Jubelton,„das iſt die Handſchrift meines Sohnes, des Großfürſten Paul!“
„Jo, ſie iſt es,“ ſagte Arkarow gelaſſen.„Es iſt die Handſchrift des Großfürſten.“
„Und ich habe alſo meine Beweiſe in Händen,“ rief Katharina,„ich kann ihn des Hochverraths überführen. Ich habe das Recht, ihn zu ſtrafen, und bei Gott, ich will es! Nein, der Hochverräther kann nicht der Erbe meines Thrones ſein. Dieſer blöde Narr, welcher ſeit dreißig
——


