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Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
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wir nur! Der König iſt jung und feurig, er wird ſich vielleicht recht bald einmal hinreißen laſſen, unſern Ge⸗ ſandten, dem ich befohlen, ein recht ungeſchliffenes und brusques Weſen anzunehmen, dafür ſeine königliche Unzu⸗ friedenheit fühlen zu laſſen. Der Geſandte wird ſich dann

bei mir über eine ihm vom König zugefügte Beleidigung

beklagen, und die Gelegenheit iſt da, um unſere Truppen marſchiren zu laſſen, und von dem König von Schweden blutige Genugthuung zu fordern.

Katharina wartete alſo auf dieſe Gelegenheit und ſchien heiterer und vergnügter, als ſie es ſeit langer Zeit geweſen. Nur ihre Füße wollten ſie nicht mehr tragen und ſelbſt die Bäder aus dem Waſſer des ſchwarzen Meeres, die ſie täglich gebrauchte, wollten ihnen nicht mehr ihre alte Kraft und Stärke wieder geben.*

Aber Katharina verbarg ſelbſt vor ihren Vertrauten, ſelbſt vor Zoubow, die immer zunehmende Schwäche ihrer Füße, ſie klagte nicht über Hinfälligkeit und ſelbſt ihren Leibärzten mochte ſie nicht ſagen, daß ſie ſich leidend fühle.

Sie wollte die Krankheit und das Alter ſo gut be⸗ ſiegen, wie ſie die Tataren und die Polen beſiegt hatte,

wie ſie Schweden zu beſiegen hoffte.

Nein, von keiner Krankheit, keinen Schmerzen und keinen Leiden wollte dieſe ſtarke Seele ſich beugen laſſen,

* Kampf um das ſchwarze Meer. Von Theodor Mundt. S. 321