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Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
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Oh, ſagen Sie ihr, daß ich mehr, tauſend Mal mehr leide, ſagen Sie ihr, daß ich meine Nächte in Thrä⸗ nen, meine Tage in Verzweiflung hinbringe. Sagen Sie ihr, daß ich in dem Zorn meines Schmerzes meinem Gott gezürnt, daß ich das Schickſal verwünſcht habe, welches.

mich zwingt, der einzigen Liebe meines Lebens zu entſagen. Sagen Sie ihr, daß mein Leben hinfort trübe und dunkel ſein wird, denn ſie war der einzige Stern, welcher es durchſtrahlte, und

Ihro Majeſtät die Kaiſerin läßt die Frau Groß⸗ fürſtin zu ſich entbieten, meldete der eilig heranſchreitende Oberceremonienmeiſter, und die Großfürſtin zerdrückte ſchnell die Thränen in ihren Augen, grüßte den König mit einem ſanften, mitleidsvollen Blick und entfernte ſich.

Wenige Minuten ſpäter hatte der König den Ball⸗ ſaal verlaſſen, und am andern Tage war er abgereiſt.

Sechs Wochen, wie geſagt, waren ſeitdem vergangen, und Niemand dachte mehr an jenes unglückliche Ereigniß, am allerwenigſten aber die Kaiſerin Katharina.

Wenige Tage hatten genügt, um ihr ihre ſtolze Ruhe, ihre erhabene Siegesgewißheit wieder zu geben.

Man wird auf einen neuen Plan ſinnen müſſen, ſagte ſie zu Platon Zoubow,man wird einen andern Weg einſchlagen müſſen, um nach Schweden zu gelangen, und da wir es nicht durch die Liebe erobern konnten, ſo

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müſſen wir ſuchen, es mit dem Haß zu beſiegen. Warten

1859. V. Die letzten Lebenstage Katharina's II. 15