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Ballſaal eingetreten war, ſtand noch immer auf ſeinem Angeſicht, voll ruhiger Freundlichkeit unterhielt er ſich mit den Mitgliedern der kaiſerlichen Familie, und ſchien es ebenſo wenig zu bemerken, daß Alexandra auf dem Ball nicht anweſend war, als daß die Großfürſten mit kalter, ſtolzer Gleichgültigkeit kaum eine einſilbige Antwort auf ſeine Fragen hatten.
Dann als der Tanz begann, näherte er ſich der Ge⸗ mahlin des Großfürſten Alexander, und forderte ſie zum Tanze auf. Sie hatte nicht den Muth es ihm zu verwei⸗ gern, denn ſeine Augen ruhten mit ſo flehendem Ausdruck auf ihr, daß ſie Mitleid empfand mit dieſem jungen Manne, deſſen bleiche Wangen ſeine geheimen Schmerzen verriethen.
Sie tanzten alſo zuſammen. Dann in einer Pauſe wandte der König ſich näher zu der Großfürſtin hin.„Ich beſchwöre Sie, Fürſtin,“ ſagte er leiſe,„haben Sie Er⸗ mit mir, haben Sie Mitleid mit meiner Qual. Sagen Sie mir, was macht die Großfürſtin Alexandra?“
„Sie iſt krank, Sire,“ flüſterte die Großfürſtin, „krank vom vielen Weinen.“
„Und ſie zürnt mir, nicht wahr? Sie kann es nicht verzeihen, daß die Pflicht meiner Krone mir höher ſtand,
als die Liebe meines Herzens?“
„Nein, Sire, ſie zürnt Ihnen nicht, ſie hat verziehen, aber ſie leidet.“ 8


